"Mythen und Märchen von Kauder & Co" heißt die Rubrik, mit der die Grünen den politischen Gegner entzaubern wollen. Der jüngste Eintrag vom 14.08.05 richtet sich gegen den Angriff von Union und FDP, die den Stillstand des Wachstums im zweiten Quartal als Versagen der rot-grünen Bundesregierung im Wahlkampf ausschlachten. Siehe FactCheck vom 11.08.2005.
Dazu die Grünen-Zentrale:
"...Es folgt viel Geschwaller aber nicht eine einzige Zahl oder irgendwelche Daten. Immer wieder behaupten Unionisten: "Deutschland ist Schlusslicht beim Wachstum in Europa." Stimmt nicht. Fakt ist: Deutschland hat die „Rote Laterne“ beim Wachstum abgegeben..."
Stimmt leider nicht - es sei denn, man schielt ausschließlich auf kurzfristige (Quartals-) Zahlen, die ihrer Natur nach zunächst nur Momentaufnahmen wieder geben können. Im durchschnittlichen Jahresmittel rangiert Deutschland schon seit Jahren beim Wirtschaftswachstum auf den hintersten Rängen in Europa. Mit ihrer Behauptung haben die Wahlkämpfer der Union daher sehr wohl recht.
Richtig ist: das 2. Quartal weist einige überraschende Daten auf, die auf eine Besserung der Konjunktur hoffen lassen. So stiegen die Auftragseingänge für die Industrie gegenüber dem Vormonat wieder an - nachdem sie zuvor im ersten Quartal geschwächelt hatten.
Das spricht dafür, daß sich vor allem die exportorientierte Wirtschaft von der vorübergehenden Wachstumsdelle seit Beginn des Jahres wieder erholt hat. Die Aufträge für das verabeitende Gewerbe waren von Januar bis April niedriger ausgefallen, in den Auftragsbüchern machte sich der höhere Euro wie auch der rasant gestiegene Ölpreis dämpfend bemerkbar.
Richtig ist auch: die Auftragseingänge aus dem Inland haben im Juni erstmals wieder deutlich - mit 4% mehr als noch im Mai - angezogen. Den letzten deutlichen Anstieg mit 8 Prozent gab es im Weihnachtsmonat Dezember 2004. Nachdem die Binnennachfrage das gesamte Jahr über erneut schwach verlaufen war.
Da auch die Grünen bei der gesamten Wachstumsrate für das 2. Quartal auf die Steigerung von 1,5% gegenüber dem Vorjahr abheben (obwohl unter dem Strich gegenüber dem ersten Quartal diesen Jahres die Rate unverändert blieb und damit ein Null-Wachstum, also Stagnation ausweist), sei auch bei den umjubelten Auftragseingängen daher auf das Quartal vom Vorjahr verwiesen:
In diesem Vergleich sind die diesjährigen Auftragseingänge deutlich schwächer ausgefallen als noch ein Jahr zuvor.
Richtig ist auch, daß durch die stärkeren Daten im zweiten Quartal Deutschland im europäischen Vergleich wieder besser aussieht und Anlaß zur Hoffnung gibt. Mehr aber auch nicht.
Ein Blick auf die etwas längerfristigen Statistiken bei Eurostat zeigt: Deutschland ist in der Tat beim Wirtschaftswachstum in Europa weit hinten.
Im Hinblick auf die von den Brüssler Euro-Statistikern prognostizierte Rate für dieses Jahr von 0,8 Prozent hat Deutschland erneut die "rote Laterne".
Und im vergangenen Jahr reichte es mit 1,6 Prozent nur für den viertletzten Platz. Im Jahr 2003 blieb die deutsche Wirtschaft beim Wachstum unverändert und war das Schlußlicht in Europa. Zuvor, 2002 waren nur noch die niederländischen Nachbarn im Europa-Vergleich schwächer.
Für die Jahre vor 2002 sieht es aber auch nicht wesentlich günstiger aus: Deutschland auf den hinteren Rängen. Und das als größte aller Volkswirtschaften in Europa.
Die sonst immer auf Nachhaltigkeit bedachten Grünen scheinen dieses Kriterium zugunsten kurzsichtiger Wahlkampf-Argumentation über Bord geworfen zu haben.
Iris K. Karlovits
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Quellen:
www.gruene-portal.de
www.destatis.de/indicators/d/pgwueb.htm
epp.eurostat.cec.eu.int
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